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Grabrede Hermann Karpf

Diese Trauerrede wurde von Bernhard vorgetragen:

Ich spreche für den Kegelclub St. Pauli.

Liebe Familie Karpf, liebe Angehörige, werte Trauergemeinde,

Hermann Karpf trat 1985, also erst im Alter von 71 Jahren unserem Club bei. Das war nach einem Keglerfest bei Franz Metzger, dem Nachbarn und Gründer des Clubs, zu dem er spontan mit eingeladen worden war, nachdem er sich über die Musik zu nächtlicher Stunde beschwert hatte.

Hermann war ein geselliger, umgänglicher, lebensfroher, immer zum Feiern bereiter Mensch. Wie oft hat er nicht seinen „Bus“ zur Verfügung gestellt, und wie oft hat er uns noch zu später Stunde auf ein Gläschen zu sich nach Hause eingeladen. Für uns wird weiterhin sein „Sammers“ das Wort „Zum Wohle“ ersetzen.

Der Kegelclub wuchs Hermann Karpf sehr ans Herz. Das ging sogar so weit, daß er 1992, - als keiner so richtig Zeit hatte, sich um den Club zu kümmern, - die Geschäftsführung übernahm und sie bis zu seinem Tod inne hatte. Auch unseren letzten Ausflug organisierte er noch mit und wollte eigentlich unbedingt mit in die Türkei, was ihm aber schließlich seine Krankheit verwehrte.

 

Für uns, die wir fast alle deutlich jünger sind, war er so eine Art Grandseigneur: Er lebte uns – zusammen mit seiner Frau - „Stil“ vor. Den hatte er, aber er machte davon kein Aufhebens.

 

Gespräche und Diskussionen mit ihm waren immer interessant. Wer meint, Alter und konservativ gehören zusammen, wurde durch Hermann eines Besseren belehrt: seine Ansichten waren fortschrittlich, er hatte einen feinfühligen Gerechtigkeitssinn.

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Auch sein Lebensweg war für uns, die wir nur Nachkriegsgeschichte kennen, ungeheuer interessant: Mit welcher Selbstverständlichkeit er nach dem Kriege nach Görlitz gegangen war, mit welcher Selbstverständlichkeit er dann wieder nach Kenzingen kam, eröffnete uns neue Sichten auf unser Deutschland. Er war für uns ein Zeuge, der seine Zeit mit seinen Erzählungen und Berichten vor uns lebendig werden ließ.

 

Und er kannte sich aus. Er war sehr belesen. Auch im aktuellen Zeitgeschehen war er up to date. Schlicht: er war ein rundum gebildeter Mensch, wie es sie in dem Umfang heute kaum mehr gibt.

 

Hermann war uns von Franz Metzger als „Militärmusiker“ präsentiert worden. Leider haben wir ihn als Bläser nicht mehr aktiv erlebt. Er hatte aber immer viel Gefallen an der Musik der „Keglerband“, und begleitete sie mit wohlwollender Kritik. „Ramona“ war eben ein langsamer Walzer und keine Rhumba, wie sie in den 60‘er Jahren - aber auch von uns gespielt wurde.

 

Von der Keglerband erleben Sie hier heute eine kleine Kostprobe. Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch seiner Tochter, aber ich weiß, auch Hermann hätte das so haben wollen.

 

Daß er uns an seiner Freundschaft mit Gaga teilhaben ließ, der heute hier die Orgel spielt, ist ganz besonders für uns Musiker etwas Einmaliges.

 

Hermann war mit seiner positiven Lebenshaltung immer ein Vorbild. Als er sah, daß die Krankheit seine Kräfte immer mehr aufzehrte, sagte er schließlich, es reicht. Auch diese Haltung war für mich vorbildlich und paßt genau in sein Leben.

 

Wir verlieren mit Hermann Karpf nicht nur unseren Geschäftsführer, sondern einen ausgesprochen liebenswerten Freund, der uns einen guten Teil unseres Lebens begleitet hat, der uns Vorbild war, dem wir vieles zu verdanken haben und der in unserer Erinnerung weiter leben wird.

SeitenanfangSeite erstellt von Bernhard Rawer